Der Schatz vor Ort: das freiwillige Engagement der Bürgerschaft – Wertschätzung, Förderung, Qualifikation als Eckpfeiler einer Engagementpolitik
Vorbild war ein junges schwedisches Mädchen namens Greta Thunberg, die anfangs unbeachtet von Medien, jeden Freitag während der Schulzeit für mehr Klimaschutz streikte. Als die Medien sie entdeckten, entfachte sich ein weltweiter Flächenbrand, der die junge Schwedin zum Gesicht dieser Demonstrationen machte. Und noch immer steht dahinter kein eingetragener Verein, kein Verband, keine Organisation oder Partei. Aber es blieb nicht ohne Folgen auf politische Parteien. Diesem Engagement verdanken wir, dass das Thema, das seit 30 Jahren als Herausforderung bekannt ist, wieder auf der politischen Agenda wirkmächtig ist.
Und erinnern wir uns: ohne das freiwillige Engagement von vielen, vielen Menschen wären 2015 die Verwaltungen in Deutschland, die so viel auf sich hielten, schlichtweg angesichts des Zustroms von 890.000 Geflüchteten zusammengebrochen. Stetig purzelten die Rekorde des bisher nie-da-Gewesenen. Die Behörden ächzten unter dieser Herausforderung. Die Menschen in Deutschland packten an. Diese Bilder gingen um die ganze Welt: Menschen, die an den Bahnhöfen standen und „Welcome“-Schilder hoch hielten, die Spielzeug, Kleidung, Nahrungsmittel brachten, die in den Unterkünften halfen, Deutsch-Unterricht erteilten, für Arbeit und familiäre Anbindung sorgten. Dafür war ebenfalls in erster Linie kein Verein verantwortlich, kein großer Verband, sondern das zahllose Engagement Einzelner.
Ähnliches konnte bereits in den Hochwassergebieten 2013 beobachtet werden, als viele Freiwillige, meist eher jüngere Menschen, spontan kamen, Säcke füllten und schleppten, um die Deiche zu stabilisieren und Orte vor den drohenden Wassermassen zu schützen. Das konnte auch Pfingsten 2014 beobachtet werden, als heftige Stürme in bestimmten Regionen Deutschlands für viel Aufregung sorgten. In Essen zum Beispiel kamen die Behörden nicht nach, die Folgen dieses Sturms zu beseitigen. Über Facebook organisierten sich Menschen: „Essen packt an!“ Und am Wochenende darauf kamen rund 4.000 Menschen und packten an.
Der Zukunftstrend lautet: Engagement ist Ehrensache, weniger Ehrenamt.
Doch dieser Trend scheint in der praktischen Politik noch nicht ganz angekommen zu sein. Das Gesetz zur Stärkung des Ehrenamtes („Gemeinnützigkeitsentbürokratisierungsgesetz“), das der Bundestag rückwirkend zum 1. Januar 2013 beschlossen hatte, liest sich wie die Unterstützung des organisierten Sports. Deren Lobbyisten haben ganze Arbeit geleistet. Doch was ist mit den Flüchtlingshelfern, ohne die die Behörden völlig untergehen würden, wie bewertet man die Hochwasserhelfer, die Pflegehelfer, die Menschen, die spontan und selbstbestimmt helfen wollen und dies seit Jahren ohne mediale Aufmerksamkeit tun, zum Beispiel die Betreuung einer Nachbarin mit einer Behinderung? Ist dieses Engagement weniger wert, weil es in keinem organisierten Verein erbracht wird? Aus Sicht der Politik scheint das so. Nur: das ist überhaupt nicht zukunftsorientiert.
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