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Vielfalt der modernen Gesellschaft verlangt konzeptionelles Vorgehen

"Tatort": Eine Wohnanlage mit sehr vielen Menschen auf wenig Raum. Es gibt selbstnutzende Eigentümer, aber auch viel Mietwohnende. Die Fluktuation der Menschen ist hoch. Nicht wenige ziehen aus süd-ost-europäischen Ländern hierher. Fragt man die Menschen, die dort schon lange wohnen, so beklagen sie sich über bestimmte Themen wiederkehrend: Müll, nächtlicher Lärm, Nichtbeachtung von coronabedingten Kontaktregelungen, aber auch die Nichtbereitschaft, Gemeinschaftsregeln einzuhalten.

Wie will man das regeln? Populisten greifen es gern auf, da sie radikale, schwarz-weiß-malende Lösungen im entweder-oder-Stil vortragen. Und so lange sich niemand wirklich kümmert, greifen diese Losungen, weil ja anscheinend nichts anderes greift.

Wer heute Politik gestalten möchte, der braucht stets den Schulterschluss der Betroffenen (hier der Menschen, die sich zum Beispiel im Müllraum eindeutig fehlverhalten), der Beteiligten (Hausverwaltungen, Hausmeister, Mitbewohnende) und Experten (hier zum Beispiel zum Thema Integration und Sprachdolmetscher). Es ist komplexer geworden. Doch wenn niemand anpackt, kann auch nichts verbessert werden. Und hier machen es die Etablierten den Populisten sehr einfach.

Komplexität entsteht auch durch die gesellschaftliche Vielfalt. Und diese Vielfalt braucht vielfältige Lösungsangebote. Leider bleibt es oft bei Einfalt und Einfallslosigkeit. Dabei sind im Grunde alle Städte heute Orte der Vielfalt, in manchen Quartieren prallt sie nur heftiger aufeinander.

Werfen wir einen Blick auf diese gesellschaftliche Vielfalt:

• Unter uns leben fünf Generationen zwischen 0 und 100. Die Kategorien „jung“ und „alt“ sagen nur noch wenig aus.
• Unter uns leben drei Geschlechter: männlich, weiblich, divers. Unser Denken in Adam und Eva reicht nicht mehr.
• Unter uns leben Familien in den unterschiedlichsten Konstellationen. Familie ist für mich da, wo Menschen (nicht nur generationenübergreifend) Verantwortung füreinander übernehmen. Das sollte man fördern.
• Unter uns leben sehr viele verschiedene Kulturen, mit unterschiedlichen Vorstellungen. Ein Miteinander kann nur auf dem Fundament gemeinsamer Werte und gemeinsamer Regeln funktionieren. Dies gilt es zu erarbeiten. Dazu braucht es eine klare Haltung und zielgerichteter, strategisch angelegter Konzepte.
• Unter uns leben Menschen mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen, ihr Leben zu gestalten. Jeder Lebensstil will sich wiederfinden, wenn es darum geht, Kompromisse mitzutragen.
• Unter uns leben Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenslagen. Dazu gehören sowohl Menschen, die am Ende des Monats nicht wissen, wie sie ihre Kinder ernähren sollen, aber auch Menschen, denen es materiell an nichts fehlt. Es gilt, dort gezielt zu fördern, wo Bedarfe sind. Also weniger Gießkanne.
• Unter uns leben Menschen mit sehr verschiedenen Lebenswirklichkeiten. Manche werden noch im Kinderwagen geschoben, andere brauchen einen Rollator, wieder andere einen Rollstuhl. Ziel sollte sein, dass sich alle irgendwie am gesellschaftlichen Leben beteiligen können. Die Quartiere müssen bis 2025 deutlich barrierefreier und damit inklusiver werden, um die Zukunft einer älter werdenden Gesellschaft in den Griff zu bekommen.

Eine derartige Vielfalt zu gestalten, so dass möglichst viele Menschen ihre Heimat finden und sich wohl fühlen, bedeutet, diese Vielfalt im Blick zu halten und für einen steten Ausgleich zu sorgen. Das ist nicht einfach, sondern harte kommunalpolitische Arbeit. Veränderung kann nur gelingen, wenn sich alle mitgenommen fühlen. Darum geht es: Zusammenhalt, neben dem Ich ein Wir setzen. Daher lohnt es sich ein von vielen Menschen mitgetragenes Integrations-, Inklusions- und Vielfaltskonzept zu erarbeiten.


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